DSC_4110 Kühe

 

Der Weidezaun um unsere Kuhherde war an einer Stelle kaputt und musste dringend repariert werden.

Also machte ich mich mit Werkzeug, Draht und Weidezaunstäben bewaffnet auf den Weg, um den Zaun rund um die Weide unserer Kühe zu kontrollieren. Mein Weg führte michimmer am Zaun entlang. Die Weide liegt am Hang und auf der Wiese stehen etliche Obstbäume und ein paar mehr oder weniger dichte Weißdornhecken verteilen sich auf der Fläche. Das untere Ende der Weide grenzt an den Wald und dort vermutete ich eine schadhafte Stelle im Zaun.
Je näher ich der Stelle kam, desto klarer wurde mir, dass ich nicht alleine mit meinen 70 Kühen auf der Weide war. In einer Hecke ca. 10 Meter von mir entfernt hörte ich Geräusche und im Näherkommen entdeckte ich eine Bache mit ihren Frischlingen. Durch meine Anwesenheit gestört wurde das Wildschwein zunehmend nervöser. Es grunzte laut und aufgeregt. Wildschweinmütter reagieren sehr ungehalten, wenn man ihrem Nachwuchs zu nahe kommt und mir war klar, wenn sie jetzt losrennen würde, hieße es für mich: die Beine in die Hand nehmen, zu flüchten und hoffen, schneller zu sein als die galoppierende Wildsau. In Gedanken spielte ich verschiedene Möglichkeiten durch. Rennen? Der nächste Baum? Was kann mir Schutz bieten, wenn…?
Aber plötzlich änderte sich die Situation. Meine Kuhherde kam aus einiger Entfernung angaloppiert und schob sich zwischen mich und die Wildschweine.
Ich war in Sicherheit. Den Zaun konnte ich, geschützt durch die Kühe, in aller Ruhe reparieren und meinen Weg entlang des Zauns fortsetzten. Meine Kühe grasten jetzt wieder weiter, als ob nichts geschehen wäre.

Ich staune und bin sehr dankbar dafür, dass Gott unsere Kuhherde in Schwung gebracht hat, um mich zu schützen. Er hat eben Möglichkeiten, auf die wir gar nicht kommen.

Jochen, 35 Jahre, Landwirt