Hallo Anjara, Du bist hier der neue Pastor. Stell Dich doch mal vor.

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Jedes Mal, wenn ich in Deutschland meinen Namen erwähne, fragen die Leute immer: Woher kommt dein Name? Um diese Frage zu beantworten, sage ich dann immer gerne: Mein Name und ich kommen aus Madagaskar. Man nennt mich gerne „Anjara“, ausgesprochen wie ein Brief „an Sarah“ :). Mein richtiger Name ist aber Anjarasoa Rakotomanga. Dieser klangvolle Name ist nicht nur lang, sondern er hat auch eine Bedeutung: Anjarasoa heißt „das gute Schicksal“, und mein Familienname bedeutet witzigerweise „die süße Mango“.

Ich bin verheiratet mit Nadine, einer gebürtigen Saarländerin, und wir haben eine einjährige süße Tochter, Salome Malala.

Vor ca. 9 Jahren kam ich nach Deutschland, nachdem ich ein DAAD-Stipendium im Fach Germanistik bekommen hatte. So bin ich eigentlich zum Theologiestudium gekommen und jetzt Pastor geworden.

Meine Frau habe ich übrigens auch während meines Studiums in Gießen kennengelernt.

Wie bist du zum Glauben gekommen?

In Madagaskar bin ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, der Umgang mit der Bibel und der Kirche war dort für uns damals selbstverständlich, und es gab so etwas wie einen kollektiven Glauben in meiner Familie. Das hat mich sehr geprägt und war ein guter Boden, um später bewusst und persönlich zum Glauben an Jesus zu kommen.

Tatsächlich habe ich den christlichen Glauben persönlich verstanden und vertieft durch die Begegnung mit dem Bibellesebund Madagaskar.

Und was machst Du hier in der FeG Saarbrücken?

Wie du oben schon erwähnt hast, bin ich jetzt Pastor der FeG Saarbrücken, genauer gesagt der 2. Pastor. Mein Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit der jungen Generation. In diesen Bereichen gibt es bereits engagierte und treue Verantwortliche, aber ich möchte als Ansprechpartner sowohl für sie als auch für die Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stehen. Ich werde sehr gerne mit ihnen Visionen, Ideen und Ziele für ihre Arbeitsbereiche entwickeln. Mir ist es auch ein Anliegen, neue Mitarbeiter/innen in ihrem Dienst sowie auf ihrem geistlichen Weg zu begleiten.

Du kommst aus Madagaskar – was gefällt Dir besonders an Deutschland? Was magst Du nicht?

Mir gefällt es besonders, dass die Menschen, die Kommunikation, die Strukturen und somit das gesamte System berechenbar sind. Alles hat räumlich und zeitlich seinen Platz und seine Ordnung. Man kann sich gut darauf verlassen. In der Bürokratie muss man beispielsweise nur genau alle Anforderungen wissen und erfüllen, auch wenn das mühsam ist, dann läuft alles reibungslos und man kann mit einem guten Ergebnis rechnen. Alle Entscheidungen sind transparent und sind weder personenabhängig noch willkürlich. Das heißt, in Deutschland erfährt man in der Regel keine böse Überraschung, wenn man einmal das System verstanden hat. Mir gefällt außerdem die Exaktheit und Korrektheit der Deutschen. Das vermittelt ein Gefühl von Zuverlässigkeit und Geradlinigkeit. Und nicht zuletzt schätze ich an Deutschland die Freiheit und die Vielfalt an Möglichkeiten, die jedes Individuum hier hat, um sein Potenzial zu entwickeln.

Woran ich mich hier immer noch gewöhnen muss, ist, dass die Menschen nicht immer sofort warm werden, sondern erstmal zurückhaltend bleiben. Außerdem kommen mir manche Gegenden in Deutschland zu ruhig vor, wo jeder bei sich zuhause bleibt und auf der Straße wirklich nichts los ist.

Was können wir Deutschen von Madagaskar lernen?

Die Deutschen könnten Gelassenheit und Flexibilität von Madagaskar lernen. Dort ist alles im Alltag unberechenbar. Angefangen bei der täglichen Stromversorgung bis zum Urteil der Justiz. Die Madagassen hingegen können sich von der Exaktheit und Geradlinigkeit der Deutschen eine Scheibe abschneiden.

Was wünschst Du Dir für die nahe Zukunft für die und von der Gemeinde?

Ich wünsche der FeG Saarbrücken viele inspirierende und prägende Persönlichkeiten, die von Gott geprägt sind und für die Gesellschaft sowie für ihre Umgebung zum Segen werden.

Von der Gemeinde wünsche ich mir, dass sie mir als Mensch und nicht nur als Pastor begegnet. Das klingt zwar selbstverständlich, aber eigentlich vergisst man das im Alltag ganz schnell. Ich bin davon überzeugt, dass wir viel voneinander lernen können, wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen und auf menschlicher Ebene gemeinsam unterwegs sind.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Das Gespräch führte Holger Cleve.