Im Kriegswinter 1914 bekämpften sich deutsche und englische Soldaten in Belgien erbittert, ohne dass die eine oder andere Seite obsiegen konnte. Auf der Internetseite der Süddeutschen Zeitung las ich dazu Folgendes: „Am Weihnachtsabend 1914 legten erschöpfte deutsche und britische Soldaten in Flandern ihre Waffen nieder, kletterten aus den Schützengräben und spielten gegeneinander: Fußball.“

Ausgelöst wurde dieses Ereignis durch einen Schotten, der wohl einfach einen Fußball ins Niemandsland zwischen den Schützengräben geworfen hatte. Zunächst wurde nur der Ball zwischen den Gräben hin und her geworfen, dann haben sie mit Pickelhelmen Tore markiert und deutsche und englische Soldaten spielten Fußball. Sie legten ihre Waffen hin, kletterten aus dem Graben und das Spiel konnte beginnen.

Das Ereignis ist historisch belegt. Soldaten haben davon in ihren Briefen an zuhause erzählt.

Da traut sich einer etwas zu tun, was so gar nicht zu passen scheint – und für einen kurzen Augenblick ist Frieden mitten auf dem Schlachtfeld.

Einfach mal einen Ball auf ein Schlachtfeld werfen!

Was für eine Idee – genial einfach – einfach mal aufhören zu kämpfen und den Feind einladen zum Spiel. Lasst uns doch mal ein paar Tore schießen, anstatt uns gegenseitig zu erschießen.

Leider machte das Beispiel keine Schule, denn am Ende 1918 hatte der Krieg 17 Millionen Menschenleben gefordert.

In der Bergpredigt sagt Jesus seinen Jüngern: Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

Da geht es auch nicht um die großen Ereignisse, um den Friedensnobelpreis oder den Weltfrieden. Wir sind herausgefordert Frieden zu stiften, da, wo Menschen müde sind und nicht mehr weiter kämpfen wollen. In einem Umfeld, wo die Gräben gezogen wurden und man sich nicht mehr gerade in die Augen sehen kann, Frieden stiften, bevor es schlimmer kommt.

Manchmal reicht da tatsächlich schon eine Geste: Einfach mal einen Ball auf ein Schlachtfeld werfen und sehen, ob er aufgenommen wird.

Ich habe den Eindruck, dass wir da recht nahe daran sind an dem, was Jesus Christus damals gemeint hat, als er uns diese Seligpreisung mit auf den Weg gab.

Einfach mal einen Ball auf ein Schlachtfeld werfen!

Joachim Hipfel