Ende April ist es wieder soweit – ich reise, nun schon zum dritten Mal, mit einem Freund nach Ponferada in Spanien. Von dort laufen wir dann in 9 Tagen insgesamt 260 km auf dem „Französischen Jakobsweg“ nach Santiago de Compostela.

Als ich vor 4 Jahren zum ersten Mal auf dem Jakobsweg nach Santiago gelaufen bin, war ich gespannt, welche Erfahrungen ich machen werde. Wird es nur eine lange anstrengende Wanderung sein oder werde ich auch besondere Erfahrungen mit Gott machen? Schließlich ist der Jakobsweg ja ein Pilgerweg, eine körperliche und spirituelle Herausforderung.

Spannend waren vor allem die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen. Abends in den Pilgerherbergen habe ich immer wieder die gleichen Pilger getroffen. Menschen aus aller Welt. Einen Amtsrichter, eine Ingenieurin für Windkrafträder, eine Optikerin, einen Zimmermann und viele Studenten.

Einige waren aus schwierigen Situationen bei ihnen zuhause geflohen. Andere sind den Weg gegangen, um sich bei Gott zu bedanken, weil der sie eine schlimme Krankheit hatte überstehen lassen. Und wieder andere waren auf der Suche nach Antworten auf existentielle Lebensfragen oder waren einfach nur unterwegs, um an die körperlichen Grenzen zu gehen.

Letztgenannte Grenzen habe ich auch gespürt. Meine Füße haben nach einigen Tagen deutliche Gebrauchsspuren gezeigt, sie hatten Blasen und haben wehgetan. Aber: Mein Kopf war frei – der Alltagsstress war mehrere Tagesmärsche weit weg. Zu Fuß unterwegs zu sein hat mir eine neue Sicht auf Entfernungen gegeben, auf Hügel und kleine Berge, die man überwinden muss, um ans Ziel zu kommen.

Für mich ist der Jakobsweg zu einem Bild meines Glaubens geworden – er richtet mich wieder aus auf den Weg mit Gott. Glaube an Gott heißt für mich unterwegs zu sein – auf ein Ziel zuzugehen – jeden Tag die Strecke bewältigen, die vor mir liegt – nicht allein, sondern mit anderen– sich auszutauschen und zu helfen – zuzuhören oder zu erzählen – Mut zu machen und ermutigt zu werden.

Es sind genau diese Erfahrungen, auf die mich freue, wenn ich mich bald wieder auf Pilgerreise begebe. In 4 Wochen geht es los.

 

Innehalten 30.03.2016